Der Tonabbau in Bannberscheid

    Der Tonabbau in Bannberscheid hat eine lange und bedeutende Geschichte, die eng mit der geologischen Beschaffenheit der Region verbunden ist. Die heutigen drei Weiher sind das Resultat intensiver Tonabbauaktivitäten, die in der Gegend des Niederwesterwaldes stattfanden. Dieses Gebiet, das an die Tallandschaften von Rhein und Lahn grenzt, ist bekannt für seine bedeutenden Tonvorkommen, insbesondere im Kannenbäckerland.

     

    Geologische Grundlagen

    Der Niederwesterwald bildet den West- und Südteil des Westerwaldes und weist Höhenlagen von 200 bis 400 m auf. In diesen Höhenlagen sind Senkungsräume eingelagerte, die für ihre großen Tonvorkommen bekannt sind. Die Region ist von einer feuchten Klimazone geprägt, die durch erhebliche Temperaturunterschiede aufgrund der Höhenlagen gekennzeichnet ist. Die vorherrschende Vegetation ist kulturbedingt, mit einem hohen Anteil an Nadelhölzern. Die Böden sind meist weniger fruchtbar, wobei Ton und Basalt die wichtigsten Rohstoffe der Region darstellen.

     

    Frühzeit und erste Erwähnungen

    Bereits in vorgeschichtlicher Zeit wurden die hochwertigen, tertiären Tonvorkommen genutzt. Die ersten urkundlichen Belege aus dem Kannenbäckerland stammen jedoch erst aus dem Jahr 1402. Im 14. Jahrhundert, nach dem Niedergang des Kaisertums, erhielten die Landesherren die Hoheitsrechte über ihre Gebiete, was zur Entwicklung des Tongewerbes in Bannberscheid führte. Die örtlichen Krugbäcker, auch Euler genannt, schlossen sich in einer Zunft zusammen, die 1781 in eine trierische und eine wiedische Zunft aufgeteilt wurde. Bannberscheid wurde als Standort des Tongewerbes erwähnt und gehörte zur trierischen Zunft.

     

    Industrieller Aufschwung

    In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts erlebte der Tonabbau in Bannberscheid einen enormen Aufschwung. 1895 wurden noch 15 ha ausgebeutet, doch bereits 1906/1911 stieg dieser Anteil auf 38 ha. Die bekanntesten Gruben in der Gemarkung Bannberscheid sind die Tonerdezeche „Mühle“, die am 16. Juni 1866 belehnt und am 13. August 1866 in das Berggegenbuch eingetragen wurde, sowie die Tongrube „Langewiese“, die 1950 von der Gewerkschaft Otto Ton & Quarzitgruben in Bendorf/Rhein betrieben wurde. Die Fuchs'schen Tongruben GmbH in Ransbach übernahm bereits 1917/1929 die Nutzung des Grubengeländes. Eine Statistik aus dem Jahr 1936 verzeichnete drei tonförderndeBetriebe, während 1949 und 1961 jeweils zwei Betriebe aktiv waren. Die Anzahl der Beschäftigten fiel von 95 auf 34, während die Fördermenge von 37.000 t auf 40.560 t stieg. 1949 waren 150 Personen im Tagebau beschäftigt.

     

    Technologische Entwicklungen

    Die Förderung des Tons erfolgte zunächst in Glockenschächten, bevor man aufgrund der erhöhten Unfallgefahr zum Tagbau überging. In den Jahren 1952/53 kam eine neu entwickelte Tongewinnungsmaschine zum Einsatz, die eine signifikante Steigerung der Fördermenge ermöglichte. Laut Jakob Wagner, der als einer der letzten mit dieser Maschine arbeitete, konnten pro Schicht 40 bis 50 t gefördert werden. Die in den 1920er Jahren gegründete Schamottefabrik stellte die einzige Industrie in Bannberscheid dar. Diese Fabrik verarbeitete Ton zu Schamotte und bot bis zu 40 Arbeitsplätze. Trotz der Veränderungen in der Wirtschaft und der steigenden Bevölkerungszahlen, die auch in Bannberscheid einen Strukturwandel zur Folge hatten, blieb die Tonindustrie ein wichtiger Arbeitgeber.

     

    Rekultivierungsmaßnahmen und heutige Bedeutung

    Nach der vollständigen Ausbeutung der Tonvorkommen wurden umfangreiche Rekultivierungsmaßnahmen durchgeführt. Auch der Sturmschaden von 1955, der den Markwald auf der Montabaurer Höhe schwer beschädigte, führte zu einem Rückgang der Arbeitsplätze in der Region. Im Jahr 1963 waren noch drei Betriebe aktiv, die Ton abbauten. Die Geschichte des Tonabbaus in Bannberscheid ist nicht nur ein Kapitel der wirtschaftlichen Entwicklung der Gemeinde, sondern auch ein Teil des kulturellen Erbes. DasGemeindewappen von Bannberscheid spiegelt diese territoriale und wirtschaftshistorische Bedeutung wider.

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